Sie befinden sich hier:
  1. Startseite
  2. Aktuelles

Ganztagsförderungsgesetz 2026 - Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder

Das Jugendrotkreuz setzt sich engagiert für die Belange junger Menschen ein. Die Ganztagsbetreuung spielt dabei eine zentrale Rolle.

Ab dem Schuljahr 2026/2027 erhalten Grundschulkinder schrittweise einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung – ein bedeutender Schritt, der sowohl für das Jugendrotkreuz als auch für das Deutsche Rote Kreuz von großer Relevanz ist. Die DRK-Blogreihe „Countdown Ganztagsförderungsgesetz“ begleitet diesen Prozess. Der aktuelle Beitrag – ein Interview mit einem engagierten JRKler aus Hessen – beleuchtet die neuesten Entwicklungen und Herausforderungen. 

Countdown - Ganztagsförderungsgesetz 2026: Folge 5 vom 03.03.2025 

Das Jugendrotkreuz (JRK) im Kreis Groß-Gerau engagiert sich in der Ganztagsbetreuung, um Kindern Erste Hilfe und soziales Engagement näherzubringen. Kemal Ünaldi setzt sich für mehr qualifizierte Ehrenamtliche und eine stärkere Einbindung von Freiwilligendiensten ein, um die Qualität der Angebote zu sichern. 


DRK-Interviewreihe mit Trägern ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder. Heute im Fokus: Ganztag & JRK – Ein Gesprächsbeitrag mit Kemal Ünaldi, Kreisleiter Jugendrotkreuz und 2. Vorsitzender des DRK Ortsvereins Rüsselsheim e.V. im DRK-Kreisverband Groß-Gerau (DRK-LV Hessen). 

"Jeder kann helfen – wenn wir früh ansetzen und Kinder für soziales Engagement begeistern, legen wir den Grundstein für eine starke und mitfühlende Gesellschaft. Ein gut qualifiziertes, inklusives Ganztagsangebot bietet dafür die ideale Plattform."


I. Ganztägige Betreuungsangebote für Grundschulkinder im JRK-Kreisverband Groß-Gerau

Nicht nur das DRK, auch das JRK ist seit vielen Jahren mit seinem ehrenamtlichen Personal in verschiedenen Ganztagsangeboten aktiv und engagiert sich auch politisch für die qualitative Weiterentwicklung des Ganztags. (Vgl. hierzu das Positionspapier Ganztag 2026)

Deshalb sprechen wir in Folge 5 unserer Blogserie mit Kemal Ünaldi, dem Kreisleiter Jugendrotkreuz im DRK-Kreisverband Groß-Gerau (DRK-LV Hessen), der sich bereits seit 2004 für das JRK im Bereich Schulsanitätsdienst im schulischen Ganztag im Kreis Groß-Gerau engagiert. 

Beschränkten sich seine anfänglichen Initiativen in dem Kontext zunächst darauf, an einzelnen Schulen in Rüsselsheim Arbeitsgemeinschaften (AGs) zu gründen, sind daraus inzwischen feste Ganztagsangebote mit zum Teil ganzjährig laufenden Wahlpflicht-AGs erwachsen - an insgesamt 18 Schulen (Grund- Förderschulen und Gymnasien) im Kreis Groß-Gerau. 

Eine Erfolgsstory, die deutlich macht, dass sich Schulen, auch im Hinblick auf den kommenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, immer mehr für Verbände und Organisationen mit Ehrenamtsstrukturen öffnen. Mit diesem Trend sind für Kemal Ünaldi zahlreiche Chancen für das Jugendrotkreuz verbunden – ebenso wie gewisse Herausforderungen und Risiken.


Die Ziele des JRK im Ganztag

Die zentralste Chance sieht er darin, in den Grundschulen vor Ort neue Zielgruppen erreichen und für die Ziele und Werte des JRK begeistern und motivieren zu können. Dadurch können Grundschulkinder:   

  • möglichst frühzeitig in erster Hilfe angeleitet werden und deren sichere Ausübung erlernen
  • für ehrenamtliches Engagement in der Jugendverbandsarbeit und eine sinnvolle Freizeitgestaltung sensibilisiert und begeistert werden
  • in die Jugendarbeit integriert werden und Möglichkeiten zur Mit- und Selbstbestimmung erhalten
  • zur beruflichen Orientierung Einblicke insbesondere in soziale Berufe erhalten

Die AG-Angebote des JRK im schulischen Ganztag

Vertragliche Rahmenbedingungen und personelle Voraussetzungen

Inzwischen haben sich die AG-Angebote des JRK derart in den Ganztagsangebotsstrukturen der kooperierenden Schulen in Groß-Gerau etabliert, dass deren Betreuung und Durchführung längst nicht mehr nur durch das ehrenamtliche JRK-Personal erfolgt. Zunehmend wird diese Aufgabe nun auch von engagierten Lehrer/-innen und Schulsozialarbeitenden oder einer Schulkrankenschwester, die über das Landratsamt finanziert wird, übernommen.  

Im Fall, dass die AGs von Ehrenamtlichen geleitet werden, schließt die Schule mit diesen Verträge ab, in denen im Wesentlichen Fragen zur Aufsichtspflicht und Krankheitsvertretung geregelt sind; ggf. werden auch Aufwandsentschädigungen berücksichtigt. Auf dieser Basis, so Kemal Ünaldi, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Schulen und dem JRK sehr gut, da die Schulen sehr interessiert an den Angeboten des JRK sind und zu deren Durchführung an den Schulen auch aktiv Fördermittel eintreiben. 

In Bezug auf die personellen Voraussetzungen, um als JRK-Mitglied überhaupt eine AG leiten zu können, sind zunächst die Teilnahme an einem JULEICA- sowie einem Kindeswohl-Lehrgang obligatorisch. Der JRK-Kreisverband verlangt zudem alle 3 Jahre die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses. 

Kemal Ünaldi, selbst ausgebildeter Notfallsanitäter, würde sich darüber hinaus von möglichen Kandidaten mehr pädagogische Grundkenntnisse sowie praktische Erfahrungen im Schulsanitätsdienst oder medizinische Grundkenntnisse erwarten. Sowie auch eine aktive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Unterrichtsmaterialien aus dem Bereich Schulsanitätsdienst. 

II. Herausforderungen aus der Perspektive des Ehrenamtes

Personelle Engpässe & Qualifizierungsdefizite

Die Beteiligung des JRK an Ganztagsschulen ist nicht frei von Risiken. Denn die Anforderungen, die eine Ganztagsschulbetreuung in Zeiten massiven Lehrer- und pädagogischen Fachkräftemangels   stellt, können Jugendverbände und ihr ehrenamtliches Personal auch schnell fachlich, personell und zeitlich in eine Überforderung bringen. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die Ehrenamtlichen z.T. selbst noch Schüler/-innen sind und die Mitgliederzahlen in den außerschulischen Kinder- und Jugendgruppen generell schwinden. 

Die immer dünner werdende Personaldecke steht der Wunsch des Kreisverbands entgegen, einen Pool von gut qualifizierten ehrenamtlichen Mitarbeitenden im Ganztag aufzubauen.  

III. Lösungsimpulse für eine Verbesserung der ganztägigen Schulkindbetreuung durch Ehrenamtliche und Freiwillige

Gerade im Hinblick auf die Umsetzung des Rechtsanspruchs sieht Kemal Ünaldi deshalb dringend Handlungsbedarf in Bezug auf eine Aufstockung des (ehrenamtlichem) Betreuungspersonals und der vorgehaltenen Qualifizierungsangebote.

Plädoyer für mehr Personal durch Einbindung von Freiwilligendiensten

So macht er sich stark für die Idee, mehr Initiativen und Konzepte zu entwickeln, um Personen aus FSJ oder Bundesfreiwilligendiensten gezielt im Ganztag einzusetzen – wenngleich diesen dafür dann auch verstärkt zusätzliche Qualifizierungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden müssten.   

Mehr Qualifizierungsmöglichkeiten für ehrenamtliches/freiwilliges Engagement in Ganztagsangeboten

Eine grundlegende fundierte Qualifizierung der Ehrenamtlichen und Freiwilligen ist für ihn das zentrale Qualitätskriterium für einen guten, ehrenamtlich aufgestockten Ganztag. Dabei müssten die Qualifizierungsangebote seiner Erfahrung nach zwingend Inputs zu folgenden Themen beinhalten: 

  • Schulaufsichtspflicht
  • Berücksichtigung pädagogischer Besonderheiten (Strukturen, Methoden, Inhalte) nach Schulform (insbesondere im Fall von Förderschulen)
  • Berücksichtigung von Handlungsmaximen im Umgang mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen und verschiedenen Altersstrukturen 


Entsprechende Inhalte müssten dann auch in standardisierten Unterrichtsmaterialien, Handreichungen, Schulungsunterlagen etc. zur Verfügung gestellt werden. Daran fehlt es derzeit noch – ebenso wie an mehr finanziellem Support seitens der kommunalen Politik und Verwaltung sowie fachlichem Support seitens der hauptamtlichen Fachkräfte innerhalb des DRKs.    

Mit seinem Engagement im Ganztag möchte Kemal Ünaldi Kinder und Jugendliche für seine Grundidee „Jeder kann helfen“ begeistern und soziales Ehrenamt motivieren. Er ist davon überzeugt, dass dies gelingen kann, sofern die pädagogischen Angebote im Ganztag konsequent inklusiv konzipiert sind und durch gut qualifizierte Mitarbeitende vermittelt werden. 

Unter solchen Voraussetzungen können die Angebote des JRK im schulischen Ganztag für die Grundschulkinder einen immensen individuellen und sozialen Gewinn bringen und als Bereicherung und Verbesserung ihrer jeweiligen Schulsituation erlebt werden. 

zum Anfang

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte. Durch die Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Erfahren Sie mehr

OK