Hilfe auf mehreren Ebenen

Mit Veranstaltungen, Publikationen und politischer Interessenvertretung macht das JRK auf Klimamigration aufmerksam

 
Zur Flucht gezwungen sehen sich oft Menschen aus ärmeren Ländern

Ihre Anzahl lässt sich nur schätzen. Man erkennt sie nicht. Sie können keinerlei Schutzansprüche geltend machen. Dabei sind Menschen, die aufgrund klimatischer Veränderungen ihre Heimat verlassen, häufig in großer Not. Im Rahmen der Kampagne „Klimahelfer. Änder’ was, bevor’s das Klima tut“ macht das Jugendrotkreuz Klimafmigranten sichtbar – und will ihre Rechte stärken. Gemeinsam mit anderen Jugendverbänden und Hilfsorganisationen informiert das JRK Öffentlichkeit und Politik: zum Beispiel in Veranstaltungen, durch Publikationen und mit einer Petition an den Deutschen Bundestag.

Beispiel Sudan: „In der Region Darfur gab es regelmäßig etwa alle 30 Jahre eine Nil-Flut“, sagt Mahadi Ahmed, der aus dem westsudanesischen Gebiet stammt: „Letztes Jahr gab es jedoch eine unerwartete Flut. 16.000 Häuser wurden komplett zerstört.“ Diese Menschen verlieren ihr Zuhause. Viele von ihnen fliehen, um sich in anderen Teilen des Landes, in Nachbarstaaten oder auf einem anderen Kontinent eine neue Existenz aufzubauen.

Die Handreichung "Vom Klimawandel vertrieben"

Häufige Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, aber auch ausbleibender Regen, der zu Erosion und Dürre führt, zählen zu den Folgen des Klimawandels. Die globale Erwärmung bedroht die Lebensgrundlage vieler Menschen – insbesondere in armen und wenig industrialisierten Ländern, deren Bewohner selbst kaum oder gar nicht zu dem Klimawandel beitragen. Wenn dann auch noch politische oder ethnische Konflikte hinzukommen, scheint die Flucht oft einziger Ausweg.

Die Bundesregierung will sich Klimaflüchtlingen annehmen
Laut Koalitionsvertrag will sich die Bundesregierung „für die Entwicklung internationaler Instrumente bei dem zunehmend wichtigen Thema der Klimaflüchtlinge engagieren“. Viel passiert ist auf diesem Feld bislang allerdings nicht. Deshalb appellieren das JRK, die Naturschutzjugend (NAJU) und die BUNDjugend an die Abgeordneten des Bundestags, Klimamigranten Aufnahmeperspektiven in Deutschland zu bieten und den Menschen in vom Klimawandel betroffenen Gebieten zu helfen, sich an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen. Nicht zuletzt fordern die Verbände, den Klimaschutz in Deutschland ernsthaft voranzutreiben. Wer diese Anliegen unterstützt, kann die Petition noch bis 31. August unterschreiben.

Mit den Verbänden Brot für die Welt, der Kindernothilfe, Oxfam und der klima-allianz deutschland hat das JRK jetzt gemeinsam die Handreichung „Vom Klimawandel vertrieben“ veröffentlicht, die sich ausführlich der problematischen Situation von Klimamigranten widmet. Das Papier erläutert Ursachen und Formen für Flucht und Migration infolge des Klimawandels, benennt rechtliche Lücken und bietet konkrete Lösungsansätze.

Der Leitfaden" Schutz für alle!" enthält ausführliche Infos und abwechslungsreiche Methoden zum Thema Klimamigration.

Klimawandel, Armut und Migration hängen eng zusammen. Deshalb beteiligen sich auch so unterschiedliche Hilfsverbände an dem Projekt. „Der Einsatz für Gesundheit und Umwelt ist einer von vier Schwerpunkten in der Arbeit der Jugendrotkreuzler“, sagt der JRK-Bundesleiter Marcus Janßen: „Und Grundlage der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist es, Menschen in Not zu helfen. In dem Projekt ‚Klimawandel und Migration’ verbinden wir beides. Das zeigt, wie aktuell die JRK-Arbeit ist.“ Christoph Röttgers, Bundesjungendsprecher der Naturschutzjugend (NAJU), erklärt: „Klimaschutz ist für die NAJU seit Jahren ein wichtiges Thema. Dementsprechend wissen wir auch um die fatalen Folgen des menschengemachten Klimawandels. Dieser gefährdet nicht nur prominente Arten wie Eisbären, sondern das gesamte Leben auf unserem Planeten.“ Ökologische und soziale Aspekte lassen sich nicht voneinander trennen, sagt Röttgers. Der NAJU sei wichtig, dass die Lebensgrundlagen weltweit geschützt und erhalten werden. Wo das nicht gelinge, sei die Gesellschaft in der Verantwortung, den Opfern des Klimawandels – und damit auch unseres Lebensstils – zu helfen. Unabhängig davon, ob nun Menschen, Tiere oder Pflanzen ihren Lebensraum verlieren.

Status und Rechte von Klimaflüchtlingen müssen definiert werden
In ihrem Positionspapier fordern die Hilfsverbände, das bestehende System der humanitären Hilfe auszubauen und die Not- und Übergangshilfe besser zu verzahnen. Zur Anpassung an den Klimawandel gehört es, Menschen in gefährdeten Gebieten auf künftige Katastrophen vorzubereiten. Eine Form der Anpassung ist aber auch die Migration. Bislang gibt es jedoch keine verbindlichen internationalen Bestimmungen, die Schutzansprüche und Rechte von Menschen festlegen, die wegen klimatischer Veränderungen Grenzen überschreiten.

Das DRK führt als Teil von Schulungen zum richtigen Verhalten im Katastrophenfall auch Erste Hilfe-Trainigs durch

Die Verbände appellieren deshalb an die Staatengemeinschaft, den Status der Betroffenen und deren Rechte zu definieren. Dabei dürfe keine Rolle spielen, ob der Klimawandel in der Heimat ihr Leben bedroht oder ob sie quasi freiwillig migrieren, meint Jan Kowalzig, Referent für Klimawandel und Klimapolitik in der Entwicklungsorganisation Oxfam: „Wer kann schon exakt beurteilen, ob wirklich das Leben auf dem Spiel steht, wenn wieder eine Ernte ausfällt oder wenn die nächste Überschwemmung kommt? Man kann wohl davon ausgehen, dass niemand wirklich gern alles hinter sich lässt – da sollte ihm nicht die Tür vor der Nase zugeschlagen werden, wenn er Hilfe benötigt.“

Unabhängig von völkerrechtlichen Vereinbarungen zu Klimamigranten erwarten die Organisationen von der deutschen und der europäischen Politik, die Rechte von Flüchtlingen und Migranten insgesamt zu stärken. „Grundsätzlich sollten Asylgesetze es ermöglichen, Schutzbedürftigen Aufenthalt zu gewähren“, sagt Sophia Wirsching, Beraterin für Migration und Entwicklung von Brot für die Welt. Sie spricht noch einen weiteren Punkt an, einen, an dem jetzt sofort jeder mitwirken kann: „Es muss darum gehen, das Klima so zu schützen, und den Folgen des Klimawandels so zu begegnen, dass Menschen gar nicht erst dazu gezwungen werden, ihr Land zu verlassen.“

Mehr Infos

Mehr zu Klimawandel und Migration im Interview mit Sophia Wirsching von Brot für die Welt und Jessica Fritz vom Jugendrotkreuz

Download der Handreichung "Vom Klimawandel vertrieben" von JRK, Oxfam, Brot für die Welt, Kindernothilfe und klima-allianz

Weitere Infos zur Petition an den Deutschen Bundestag und ein Kurzfilm zu deren Inhalt

Ein Gesellschaftsspiel und vielfältige Methoden, wie das Thema vermittelt werden kann, findet sich im Leitfaden "Schutz für alle"

Bericht über das Jugendforum "Vom Klimawandel vertrieben" am 22. Juni 2014 in Berlin


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