"Komm' hierher und lauf mit!"

Mandy Merker, stv. JRK-Bundesleiterin, war dieses Jahr beim Fackellauf in Solferino dabei und erzählt im Interview, was sie erlebt hat.

Die Läufer tragen Fahnen mit den Rotkreuz-Grundsätzen

Jedes Jahr Ende Juni kommen Tausende Rotkreuz-Mitglieder aus der ganzen Welt in der kleinen norditalienischen Stadt Solferino zusammen, um an das Engagement Henry Dunants, das er vor 155 Jahren an diesem Ort für Kriegsversehrte aufbrachte, zu erinnern.

1859 hatte der Schweizer angesichts des Leides in der Schlacht von Solferino die Rotkreuz-Bewegung gegründet – heute die weltweit größte humanitäre Hilfsorganisation.

Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der Fackellauf, die "Fiaccolata" von Solferino ins benachbarte Castiglione. Der Lauf der Helfer, die aus der ganzen Welt anreisen, folgt dem Weg in den Hügeln oberhalb des Gardasees, als ein Teil der Verletzten vor 155 Jahren in die Kirche von Castiglione gebracht wurden.

Mandy Merker, stv. JRK-Bundesleiterin, vor dem Rotkreuz-Denkmal

Mandy Merker, stv. JRK-Bundesleitern, seit 18 Jahren im Roten Kreuz aktiv, war dieses Jahr, vom 19. bis 23. Juni, zum ersten Mal in Solferino dabei. Gemeinsam mit 45 anderen Rotkreuzlerinnen und Rotkreuzlern aus den Landesverbänden Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fuhr sie in einem Reisebus nach Italien.
Wie Mandy die Fiaccolata erlebt hat, erzählt sie im Interview:

Was passiert beim Fackellauf?  
Zunächst mal sammeln sich alle auf dem „Piazza Castello“, singen, tanzen und tauschen sich mit anderen aus. Wir sind etwas eher auf dem Platz gewesen und konnten so auch noch einen Abstecher zum Denkmal des Roten Kreuzes machen, das in Steintafeln alle Länder zeigt, die sich der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung angeschlossen haben. Gegen 18:00 Uhr kommen die ersten Läuferinnen und Läufer aus verschiedenen Ländern an. Sie halten die große Rotkreuz- und Rothalbmondfahne, der sich dann Fahnen mit den sieben Grundsätzen anschließen. Jeder kann sich dem Lauf dann anschließen. Unterwegs wird erzählt, gesungen, erloschene Lichter wieder angezündet.

Rotkreuzler aus aller Welt nehmen jedes Jahr am Fackellauf teil


Wie ist die Atmosphäre?

Es ist eine Mischung zwischen Gänsehaut und guter Stimmung. Wir sind an Häusern vorbei gelaufen, wo Rotkreuz-Fahnen aus den Fenstern hingen, die Leute applaudierten und „Danke“ sagten.

Hast Du neue Leute kennengelernt?
Ja und ganz viele neue T-Shirts im Schrank ;-). Vielleicht entwickeln sich aus dem ein oder anderen Kontakt auch weiterführende internationale Begegnungen.

Was bedeutet es für Dich, in der Rotkreuzbewegung zu sein?
Es ist beruhigend zu wissen, dass trotz aller Herausforderungen und auch mancher Frustrationen im Verband, es so viele Menschen gibt, welche die Idee leben – deswegen bin ich froh ein Teil dieser Bewegung zu sein.

Was verbindet die Menschen, die mitlaufen?
Die Idee – egal woher du kommst, wir helfen einander – bedingungslos. Und an dieser Stelle zitiere ich gern einen Teilnehmer: „Wenn Du mal nicht weißt oder vergessen hast, was Dich motiviert im Roten Kreuz zu sein, dann komm hierher und lauf mit“. 

Neutralität

Henry Dunant behandelte Kriegbeteiligte allein nach dem Maß der Not. Dieses Prinzip der Neutralität entspricht einem der sieben Grundsätze des Roten Kreuzes.

Mit seiner international herausgehobenen Rolle zur Wahrung des Humanitären Völkerrechts kann das Rote Kreuz viel für Notleidende und Unterdrückte erreichen. Durch die Besuche des Roten Kreuzes bei Kriegsgefangenen werden oft Missstände aufgedeckt.




Hintergrund – Wie die Idee des Roten Kreuzes entstand

1859 reiste der Schweizer Kaufmann Henry Dunant nach Solferino, um dort den französischen Kaiser Napoleon III zu treffen. Er wurde Zeuge der Schlacht von Solferino, bei der die Heere Frankreichs und Piemont-Sardiniens gegen das Heer Österreichs kämpfte.

Dunant organisierte angesichts des unfassbaren Leids gemeinsam mit den Bewohnern der umliegenden Ortschaften die neutrale Hilfe für alle Verletzten beider Heere, getreu dem Motto: „Alle sind Brüder! Tutti fratelli“.

Heute haben sich über 100 Millionen Menschen in fast allen Ländern der Welt dieser Idee angeschlossen und bilden die weltweite Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Jedes Jahr treffen sich etwa Zehntausend von ihnen in Solferino um dort mit einem Fackelzug der Geburtsstunde des Roten Kreuzes zu gedenken.

JRK vor Ort

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