SCHLAU Summer Camp

Summer Camp to foster Humanity, Leadership, Active Participation and Understanding towards Most Vulnerable.

Im August machten sich 5 Jugendrotkreuzlerinnen aus Deutschland auf den Weg nach Lemberg in der Ukraine, um am Camp SCHLAU (Summer Camp to foster Humanity, Leadership, Active Participation and Understanding towards Most Vulnerable) teilzunehmen. Im Camp trafen sich Jugendrotkreuzler_innen aus der Ukraine, Georgien, Lettland, Bulgarien, Österreich und Deutschland, um sich über die Jugendrotkreuzarbeit zu den Themen Flüchtlinge, Migranten, Binnenflüchtlinge und sozial benachteiligte Gruppen auszutauschen und fortzubilden.

Jeden Camptag leitete eine andere Delegation durch das Programm und startete nach dem Frühstück mit einer halben Stunde Teambuilding. Mit viel Spaß lernten wir so typische Muntermacher, Kennlernspiele und Kooperationsspiele aus verschiedenen Ländern kennen und stärkten damit unsere Gruppendynamik. Anschließend führte die jeweilige Delegation mit einem Vortrag ins Tagesthema ein und moderierte den Tag, der oft spannende Gruppenarbeiten mit vielen Austauschmöglichkeiten und fantastische Präsentationen beinhaltete.

Scheinbar unmögliche Aufgaben wurden durch die entstehende Kreativität bunt gemischter Gruppen sensationell gelöst. Lieder, Gedichte und Plakate zu den unterschiedlichsten Themen entstanden in kürzester Zeit. Sogar einfache Spiele aus nur ein paar Blättern, leeren Plastikflaschen und Klebestreifen, die man mit Kindern in Flüchtlingsunterkünften spielen kann, wurden in kleinen Workshops erfunden.

Uns wurde dabei schnell klar, dass die Strukturen, die wir im Jugendrotkreuz in Deutschland haben, und auch die verfügbaren Materialien (Bälle, Spiele, Bastelmaterial, Fahrzeuge), im Vergleich mit anderen Rotkreuzorganisationen, exzellent sind. Einige Rotkreuzorganisationen sind von Geldern abhängig, die sie von wohlhabenderen Rotkreuzgesellschaften für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt bekommen. So waren wir bei der Anreise sehr überrascht, dass wir von einem Fahrer mit einem deutschen Rotkreuzbus aus Lemberg abgeholt wurden und ins Camp gebracht wurden. Weil wir uns nur mit Händen und Füßen mit dem Mann verständigen konnten, erfuhren wir erst später, dass er der Präsident des Roten Kreuzes aus der Region Lemberg war. Er war sehr stolz darauf Jugendrotkreuzler_innen aus vielen verschiedenen Ländern zu Gast in seiner Region zu haben und umsorgte und begleitete uns deshalb täglich. Wir erfuhren später, dass der Bus eine Gabe vom DRK für die Arbeit vor Ort in der Ukraine war. In ihm sitzend fühlten wir uns immer ein wenig wie die deutsche Fußballnationalmannschaft, die im eigens beschrifteten Bus umhergefahren wird! Bei der Verabschiedung am Flughafen schenkten wir dem Präsidenten für „unseren“ Bus noch einen neuen DRK KFZ-Verbandkasten, den wir für den Notfall dabei hatten.

Eine weitere Überraschung für uns war die Erkenntnis, dass die Kinder- und Jugendgruppenarbeit wie wir sie aus Deutschland kennen, in den anderen Rotkreuzorganisationen in dieser Form eigentlich nicht gibt. Das Jugendrotkreuz übernimmt in vielen Ländern vor allem auch Aufgaben und Funktionen, die in Deutschland FSJler und Zivis verrichten und betreut ältere Menschen genauso wie Flüchtlinge und hilfsbedürftige Personen. Deshalb hatten wir beispielsweise auch eine Schulung in psychologischer Betreuung von Binnenmigranten. In der anschließenden Gruppenarbeiten wurde hitzig diskutiert, wie die korrekte Vorgehensweise sein sollte. Hier zeigten sich deutliche kulturelle Unterschiede und wir konnten uns nicht auf eine gemeinsame Leitlinie einigen. Und insgeheim waren wir froh, dass wir in Deutschland in schweren Fällen auf Hauptamtliche und Spezialisten wie Ärzte zurückgreifen können.

An unserem Tag informierten wir über die Buntstifter Kampagne und sorgten mit einem Parcours für jede Menge Action. In buntgemischten Gruppen wurde beispielsweise ein Gesellschaftsspiel für Blinde gespielt, ein verrücktes Rotkreuzmemory mit besonderen Regeln gelöst und ein Turm aus Spaghetti gebaut. Zum Schluss gab es sogar eine Siegerehrung mit Pokalen, bei der wir unsere mitgebrachten Giveaways wie ökologische JRK-Baumwolltaschen und Trinkflaschen als Preise verschenkten. Die Teilnehmer waren erstaunt wie man ernste Themen mit viel Spaß nicht nur vermitteln, sondern auch selbst erfahren kann. Deshalb möchten die Teilnehmer den Parcours in ihrem Land auch durchführen.

Zahlreiche Freizeitaktivitäten rundeten das Tagesprogramm perfekt ab und förderten zusätzlich den kulturellen Austausch. Am Cultural Evening gab es neben typischen Speisen aus den verschiedenen Ländern auch landestypische Darbietungen der Delegationen. Natürlich wurde jeder Tanz auch im Anschluss gemeinsam ausprobiert.

Ein Highlight der Reise bildete ein Sightseeing Tag in Lemberg mit einer Stadtführung und anschließender Erkundung unter Betreuung eines ukrainischen Teilnehmers in Kleingruppen. So hatten wir die Möglichkeit ein paar Souvenirs wie handgefertigte Bonbons und aus Schafwolle gestrickte Socken zu kaufen und den Tag bei einer Tasse geschmolzener Schokolade in der bekanntesten ukrainischen Schokoladenmanufaktur auf der Dachterrasse in Lemberg ausklingen zu lassen.

Gutes Essen ist bei Veranstaltungen häufig die halbe Erfolgsgarantie. Das abwechslungsreiche ukrainische Essen war wunderbar und hat sicherlich auch zu der positiven Stimmung im Camp beigetragen. Wir stellten nur schnell fest, dass ein Käse- und Wurstteller mit Spiegeleiern zum Frühstück, ein 3-Gänge Mittagsmenü und 2 Gänge zum Abendessen einfach auf die Dauer des Camps zu viel des Guten sind. In einer längeren spätabendlichen Diskussion versuchten wir zu erklärten, dass so leider viel zu viel Essen weggeworfen werden muss, weil wir manches nicht mögen und die Menge einfach zu viel ist. Unsere Hauptsorge war, dass so jeden Tag ganz viel  Essen weggeworfen wird. Für diese moralische Einstellung ernteten wir anfangs nur viel Kopfschütteln und stießen auf Unverständnis. Mit unnachgiebigen Willen konnten wir die Campleitung überzeugen das Hotel zu bitten, das Essen in Buffetform anzubieten. Zu unserem Erstaunen wurde dies ein paar Stunden später beim Frühstück bereits umgesetzt! Dies zeigte uns, wie toll ein Erfahrungsaustausch sein kann und wie sich die Ukraine als Gastgeberland um uns bemüht hat.  Ein herzliches Dankeschön an die Ukraine als Gastland und dem URC als Gastgeber. Ebenso bedanken möchten wir uns beim Österreichischen Roten Kreuz, die das Camp initiiert und gesponsert  haben und bei den teilnehmenden Delegationen für ihre Beiträge und den fruchtbaren Austausch. Denn beim Ausfüllen des Youth Passes am letzten Abend stellten wir fest, wieviel wir in so kurzer Zeit gelernt, erlebt und erfahren haben. Ja, wahrscheinlich hat das Camp uns tatsächlich „schlau“ gemacht!


Text: Sonja Pröttel

JRK vor Ort

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