Honig auf die Wunde

Erste Hilfe-Profi Rotes Kreuz: Wie man den weltweiten Standard für Erste Hilfe-Richtlinien hält und dabei unterschiedliche länderspezifische Methoden integriert.

Nehmen wir Paul – ein Rotkreuz-Volunteer aus Uganda, Afrika. Er stößt auf den stark blutenden Fahrer infolge eines Motorradunfalls. Die anderen Zeugen suchen nach Wasser, um die Wunde zu reinigen. Paul aber nimmt blitzschnell seine Krawatte ab und drückt sie fest gegen die offene Wunde am Arm des Verletzten. Er weiß: Es ist in diesem Fall das Wichtigste, das Blut zu stoppen.

Vor ein paar Jahren wäre er nicht so sicher gewesen. Da gab es keine einheitlichen Richtlinien für Erste Hilfe, sondern viele Meinungen über viele Maßnahmen. Allein in Europa existierten mindestens acht verschiedene Techniken, wie eine bewusstlose Person zu lagern ist, damit die Atemwege frei bleiben.

Geltende Standards
Im Jahr 2005 gründeten Erste Hilfe-Experten des Roten Kreuzes parallel zahlreiche Forschungsgruppen. Sie durchforsteten Tausende von medizinischen Unterlagen mit dem Ziel, die erfolgreichsten Erste Hilfe-Methoden auszusieben.  

Daraus resultierte das Standardwerk „European First Aid Manual“  - in aktualisierter Version seit 2011 vorliegend. 2012 hat das DRK das „Europäische Erste Hilfe Certificat“ (EFAC) erhalten.

Mit weltweit geltenden Empfehlungen gab die Internationale Föderation vom Roten Kreuz (IFRC) 2010 die „International First Aid and Resuscitation Guidlines“  heraus, an die sich das DRK ebenfalls hält.

Zuvor hatte ein internationales Team mehr als 30.000 Artikel zu Themen wie Herz-Attacke, Blutverlust und gebrochene Knochen gelesen und ausgewertet:  Mit welcher Behandlung ging es Patienten in vergleichbaren Situationen und ähnlichen Verletzungen am besten?

Länderspezifische Besonderheiten
Über die so gefilterten Standards hinaus, haben die Nationalen Rotkreuz-Gesellschaften ihre landesspezifischen Empfehlungen eingebracht: „Es gibt drei Regeln, die für diesen Notfall anwendbar sind, und in meinem Land mit meinen Ressourcen ist Nummer zwei am erfolgreichsten."

Eine 1 zu 1-Übertragung z. B. der Europäischen Richtlinien für Afrika ist  kontraproduktiv. Europäer gehen davon aus, dass innerhalb von 15 Minuten ein Ambulanzwagen zur Stelle ist. In Afrika kann es Tage dauern, bis ein Arzt erreicht ist.

Die traditionelle afrikanische Technik, Honig auf Wunden zu streichen, führt zu einer effektiven Desinfektion. Ebenso gibt es bewährte Rezepte aus Pflanzen und Salz, die Dehydration entgegenwirken.

Auch die Lernwege unterscheiden sich: In Europa bestehen die Richtlinien vorwiegend aus Textbüchern. In Afrika wird Erste Hilfe lieber mit Performance, Postern, Filmen oder Liedern verbreitet.

Erste Hilfe-Richtlinien für die jeweiligen Adressaten in die geeignete Form zu bringen und ergänzend die Rotkreuz-Mitarbeiter weltweit stetig auf dem neuesten Stand zu halten – das ist mit hohen Investitionen verbunden. Das Rote Kreuz übernimmt sie gerne und besetzt in vielen Ländern eine Führungsposition in Erste Hilfe.  

So ist auch die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit: Passiert ein Unfall, versuchen die Umstehenden zu helfen. Doch wenn sie einen Rotkreuz-Mitarbeiter sehen, einen wie Paul in Uganda, überlassen sie ihm die Übernahme der Ersten Hilfe. Weil sie wissen, er wird das Richtige tun.

Gabriele Debatin

JRK vor Ort

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