Grundschüler werden Ersthelfer

Große Begeisterung beim Projekttag der Initiative „Erste Hilfe auf den Bildungsplan“ in Berlin Biesdorf

Ersthelfer-Profis Tobias und Leon

Leon aus der 1a ist hochkonzentriert als er versucht, seinem Klassenkameraden Tobias den Kopf zu verarzten. „Ich seh' gleich nichts mehr“, beschwert sich dieser. Es ist nicht so einfach, einen Kopfverband anzulegen, ohne dass er über die Augen rutscht. Und überhaupt: Welche Seite des Mulltuchs kommt auf die Verletzung? Zum Schluss geht Leon mit dem Verband um Tobias herum, wie ein Indianer um sein Opfer am Marterpfahl – aber der Verband sitzt richtig.

Am Erste Hilfe-Projekttag - gemeinsam durchgeführt von Jugendrotkreuz (JRK), Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und Hansaplast - an der Grundschule "Am Fuchsberg" in Berlin Biesdorf steht zur Abwechslung Erste Hilfe auf dem Stundenplan. Hier lernen die Grundschüler die Basics.

Mit der Kamera eingefangen: Eindrücke zum Erste Hilfe-Tag und Infos zur Kooperation

 



Vertreter*innen von JRK, DRK und Hansaplast mit den jungen Ersthelfer*innen

„Es ist wichtig, die Kinder so jung wie möglich und kindgerecht an das Thema heranzuführen. Viele Erwachsene trauen sich nicht zu helfen, weil sie befürchten, etwas falsch zu machen", sagt Thomas Grochtdreis, stellvertretender JRK-Bundesleiter. Das Ziel der Initiative "Erste Hilfe auf den Bildungsplan" sei es, "gemeinsame Erste Hilfe-Aktionen an Grundschulen durchzuführen und langfristig das Thema als festen Bestandteil im Unterrricht zu verankern", so JRK-Bildungsreferentin Janine Stückemann.

In Biesdorf steht der Spaß im Vordergrund. Nicht nur, dass man mit runtergezogenem Kopfverband hervorragend blinde Kuh spielen kann. Auf dem Schulgelände ist auch ein großer Parcours aufgebaut:

Ziehen an einem Strang, um Erste Hilfe in der Grundschule zu etablieren: Janine Stückemann (JRK), Anica Schumacher (Beiersdorf), Anina Lippmann (Beiersdorf), Thomas Grochtdreis (JRK), v.li.n.re

Mit Fingerspitzengefühl konzentrieren sich Bela und Fabian auf den Fingerkuppenverband

Sieht schon ganz gut aus: Dat hat Magnus einen Kopfverband angelegt

Ersthelfer*innen-Training:  Mit ein bißchen Übung gelingt der Handverband

Wie Atemfunktionen getestet werden, lernen diese beiden Ersthelfer am Modell

Janine Stückemann (JRK) und Conradin von Nicolai (DRK) mit einer Collage der Schüler*innen

Der Star unter den Erste Hilfe-Aufgaben: Tobias und Helen üben die Stabile Seitenlage

Fotos: Tom Maelsa

Benny Stern (DRK) zeigt den Inhalt des Rettungsrucksacks

Zwischen Hüpfburg und Glücksrad flitzen die Schüler mit Begeisterung in ihren roten T-Shirts mit dem Aufdruck „Ersthelfer im Einsatz“ zu den einzelnen Stationen: Wunden verarzten, Rollstuhlparcours, Notruf absetzen und Stabile Seitenlage. Dort steht Marlon Schielin vom DRK und spielt den Bewusstlosen. „Ist ganz schön schwer“, stöhnt Helen aus der ersten Klasse. Trotzdem wuchtet sie ihn ächzend und mit einem Rumms etwas unsanft – aber erfolgreich – auf die Seite.


Playstation oder EKG-Gerät?

Das Highlight des Parcours: der Rettungswagen. Dort erklären Benny Stern und Daniel Nitschke die Ausstattung mit viel Geduld und der richtigen Portion Witz: „Ist das eine Playstation?“, fragt Daniel und zeigt auf das EKG-Gerät. Heftiges Kopfschütteln. Die Kinder sind ein dankbares Publikum.

Da stehen die Ersthelfer, das Cappy über den Kopfverband geschoben, melden sich eifrig mit bandagierten Armen. Schlagen die Hände mit Fingerkuppenverband mit Entsetzen vor den Mund, wenn Daniel beim Defibrillator den Elektroschock erklärt („Tut das nicht weh?“). Sie rätseln, ob die goldene Seite der Wärmedecke nicht doch wärmer ist als die silberne. Hier dürfen Knöpfe gedrückt und der eigene Pulsschlag gemessen werden. Sie sind begeistert.

 

 

Moritz hat immer Pflaster und Verband dabei. Hier posiert er hinter der Fotowand.

„Das Interesse der Kinder ist einfach toll. Die wollen lernen“, schwärmt Anina Lippmann von Hansaplast (Beiersdorf), die die Initiative unterstützten „Das Projekt ist so wichtig, weil Berührungsängste gleich zu Beginn abgebaut werden, und um später dem Gaffen in Unfallsituationen entgegenzuwirken. Zudem werden Sozialkompetenzen der Kinder geschult“, so Lippmann weiter.

Stürze, Blessuren, Schürwunden – das ist normaler (Schul)Alltag, und dass Kinder mit Erste Hilfe-Kenntnissen für Gefahrsituationen sensibilisiert werden, beweist Moritz aus der 4a: „Ich habe schon ärztliche Kenntnisse“, sagt er stolz. Schließlich habe er einem Freund nach einem Fahrradsturz das blutende Knie verbunden. Er hat immer sein „Notpack“ in der Tasche – ein Pflaster und einen Verband. Moritz ist heute Ersthelfer und in Zukunft vielleicht Lebensretter.


Astrid Hegenauer

JRK vor Ort

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